„Und du bist nicht zurückgekommen“ von Marceline Loridan-Ivens

Buchcover zu Und du bist nicht zurückgekommen von Marceline Loridan-Ivens
© Insel Verlag

Das Lager im Kopf und ein Leben voraus!

„Und du bist nicht zurückgekommen“, ein später Abschiedsbrief an den lange verstorbenen Vater von Marceline Loridan-Ivens, erschienen im Insel Verlag.

 

 

 

Was ist geschehen?

Marceline wächst als Tochter polnischer Juden in Frankreich auf. 1943 wird sie gemeinsam mit ihrem Vater verhaftet und von Frankreich am 13. April 1944 schließlich mit dem Transport 71 nach Polen deportiert. Sie bringt man nach Birkenau, ihren Vater nach Auschwitz. Auf der Flucht vor der Roten Armee, wird Marceline erst nach Bergen Belsen und schließlich nach Theresienstadt gebracht, wo die damals 17jährige im Mai 1945 befreit wird. Ihr Vater jedoch kehrt nie zurück.

Siebzig Jahre später schreibt Marceline ihrem toten Vater einen letzten Brief, den er niemals lesen wird.

Was ist davon zu halten?

„Ich liebe dich so sehr, dass ich glücklich bin, mit dir deportiert worden zu sein.“ aus „Und du bist nicht zurückgekommen“, S. 105.

Kaum verwunderlich, es ist ein erschütternder Brief, den Marceline ihrem toten Vater all die Jahre nach ihrer Befreiung schreibt. Ein gelebtes Leben liegt hinter ihr und doch scheint sie sich an das Lager, an die Qualen und Gräuel noch eben so zu erinnern, wie an die Stumpfheit und die Gleichgültigkeit, die sich wie eine schützende Glocke über ihre Gefühle legten und ihr das Überleben ein wenig leichter machten.

„Wenn sie wüssten, alle, wie sie da sind, dass das Lager ständig in uns ist. Wir alle haben es im Kopf bis in den Tod.“ aus „Und du bist nicht zurückgekommen“, S. 106.

Doch fast noch grausamer und erschütternder als die Zeit des Lagers, ist Marceline Loridan-Ivens Weg zurück ins Leben. Ein Leben, in dem sie viel erreicht hat, in dem sie frei und unabhängig war und doch hatte es sie Mühe und Kraft gekostet, um in diesem Leben anzukommen und an der Erinnerung und der Schuld nicht zugrunde zu gehen – denn sie hat überlebt und ihr Vater ist nicht zurückgekommen. Ein bisschen blieb das Lager immer zurück und flüstert immer wieder in ihren Gedanken. Es brachte sie dazu, keine Kinder zu wollen – denn sie wurden als erstes dem Gas übergeben, sie blieb stets mager – denn auch sie wollte nicht ins Gas gehen und doch gab es in dieser Welt am Ende einen Platz für sie, den sie ausfüllte, wie nur sie es konnte – ihr Vater sollte es niemals sehen.

Autorengespräch mit Marceline Loridan-Ivens:

Fazit:

Ein Buch wider dem Vergessen – nicht nur für Marceline Loridan-Ivens. Einfühlsam und doch grausam ehrlich und einprägend!

Fünf_Sterne

Buchdetails:


  • 07. September 2015
  • Verlag: Insel Verlag
  • ISBN: 978-3-458-17660-2
  • Hardcover: 111 Seiten

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Carolin Blanck

Das Leben ist zu kurz, um laufend ein schlechtes Buch in die Hand zu nehmen - deshalb schreibt der Wortteufel Buch-Rezensionen. Und weil er schreibt, schreibt er auch über das Schreiben. Logisch - oder?

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