„Steif und Kantig – Zwei Schwestern ermitteln“ von Gisela Garnschröder

Buchcover zu Steif und Kantig von Gisela Garnschröder
© Ullstein Midnight

Zwei Schwestern im besten Alter mischen die Kriminalwelt auf. Ob das gut gehen kann?

„Steif und Kantig: Zwei Schwestern ermitteln“, ein Kriminalroman von Gisela Garnschröder erschienen bei Ullstein Midnight.

 

 

Meine Mutter Veronika ist Mamas Zwillingsschwester
~ aus „Steif und Kantig“, Kapitel 6 ~

Sie sind verwirrt? Gut, ich auch … aber fangen wir am Anfang an:

Was ist geschehen?

Isabella Steif und ihre Schwester Charlotte Kantig, ihres Zeichens beide Lehrerinnen im Ruhestand und beide verwitwet, wohnen Tür an Tür in einem Doppelhaus. Um der Langeweile des Rentner-Daseins zu entgehen, üben sich beide Frauen als Fremdeführerinnen in ihrem kleinen Örtchen und so ganz nebenbei ermitteln sie auch schon mal in einem Mordfall – schließlich lag erst neulich ein Toter bei Charlotte im Garten und verschwand dann ganz plötzlich. Da kommt es recht gelegen, dass auf dem nahegelegenen Bio-Bauernhof erst ein Toter aus der Güllegrube gezogen wird und einige Zeit später der Landarbeiter Paul im Maishexler endet. Die Polizei tut beide Fälle rasch als Unfall ab, doch Steif und Kantig, die ungleichen Schwestern, wollen sich damit nicht zufrieden geben und ermitteln auf eigene Faust.

Was ist davon zu halten?

Lustig sollen die beiden sein, doch auf gar keinen Fall schrullig. Zwei borstige Zankäpfle mit Humor, ein bisschen wie Katz und Maus. Die Wahrheit sieht leider ganz anders aus und wenn die Damen Steif und Kantig nicht gestorben sind, dann trinken sie noch immer Kaffee oder frühstücken Brötchen oder kaufen ein oder essen Kuchen … oder tun irgendetwas anderes, nur nichts, das den Leser ernsthaft interessieren würde. Steif und Kantig, die eigentlich so ungleichen Schwestern, scheinen vor allem deshalb nicht gut miteinander auszukommen, weil sie sich unglaublich ähnlich sind. Überhaupt wimmelt es in Gisela Garnschröders Krimi „Steif und Kantig“ nicht gerade von interessanten, lebendigen Figuren. Auch die Zänkereien der Schwestern sind eher farblos und vermögen die ohnehin schon langatmigen und unglaubliche langweilige Handlung nicht aufzulockern. Sie begegnen sich allmorglichendlich auf einer der Terrassen der Schwestern zum Frühstücken und am Nachmittag, um einen Kaffee zu trinken. Dies treiben sie auf den gerade einmal 200 Seiten so häufig, dass stellenweise wohl sogar die Autorin etwas verwirrt war: sie lässt eine der Schwestern das Geschirr gleich zweimal abräumen – doppelt hält schließlich besser.

Ihren Lebensabend wollen die beiden als Fremdenführerinnen aufpeppen, die gesamte Story peppt es leider ab, denn die wenigen Male, die eine von beiden sich als Touri-Guide versuchen, geschehen zwar durchaus Dinge mit Relevanz für die Handlung – es hätte nur ebenso gut beim Einkaufen passieren können.

So stolpern Steif und Kantig geradezu in die Geschehnisse um die beiden Morde auf dem Bauernhof, schon lange, bevor diese überhaupt passieren und natürlich riecht eine der beiden den Braten schon im Vorfeld. Zu Hilfe kommen ihnen allerlei Zufälle, die sie willkürlich sind, dass sie nur an den Haaren herbeigezogen wirken können. Da kennt die angehende, zuvor nie gesehene Schwiegertochter eine junge Frau, die ausschaut wie das Abbild einer Studienkollegin Isabellas und als wäre das nicht drollig genug, liegt diese als Mann verkleidet plötzlich bei Charlotte im Garten, um auf wundersameweise wider aufzuerstehen und weiter zu ermitteln. Die junge Frau ist nämlich in den Ort gekommen, um einem Genmaisskandal auf den Grund zu gehen. Der Zufälle nicht genugt, am Ende ist auch noch der nette Nachbar Ottokar in die Geschichte involviert. Der arme Mann muss zeitweise als Verdächtiger herhalten – allerdings nicht beim Leser. Dieser ahnt vom Fleck weg, wozu Ottokar überhaupt in die Geschichte geschrieben wurde. Er ist der Autorin wohl auch erst etwas später eingefallen, denn Isabella und Charlotte können sich während Ottokars Abwesenheit zeitweilig nicht einigen, ob dieser nun in den Urlaub gefahren ist, oder doch noch für seinen alten Chef arbeitet. Die zu Annelore gehörende Tante Vivien taucht natürlich bei Zeiten auch noch auf, um ihr Päcklein in der Geschichte zu tragen.

Damit das ganze tatsächlich noch als Krimi durchgehen darf, stolpern noch zwei Polizisten durch die Geschichte, die zu jeder Gelegenheit einen sehr deplazierten Eindruck machen und alles tun – nicht ihre Arbeit.

Summa summarum hätte all das mit, die kleinen, sonderbaren Zufälle, zwei charmante alte Damen mit zuviel Zeit und zuviel Hirn zwischen den Ohren, zwei faule Polizisten und ein ländliches Idyl tatsächlich ein herzerfrischend komischer Krimi werden können. Ein bisschen Parter Brown vielleicht, gemischt mit dem Bullen von Tölz und alles verpackt ein nettes Damenkleid – wurde es aber nicht. Der Schreibstil der Autorin ist unglaublich mau und langweilig. Auch hier kann sie aus der ohnehin dünnen Story absolut nichts mehr rausholen. Die Geschichte holpert vor sich hin, die Dialoge sind unendlich belanglos und gezwungen und wenn die Autorin ausnahmsweise mal etwas beschreibt, dann wahrscheinlich etwas, das auch in ihrem Garten blüht. Der Geschichte hilft diese Verliebtheit in das Leben auf dem Lande nur bedingt. Das einzig Gute an der sehr simplen Schreibe ist die Tatsache, dass der Leser das Elend schnell hinter sich hat.

Schade, denn die erste Leseprobe, bzw. das erste Kapitel war vielversprechend. Das beste am eBook bleibt tatsächlich das Cover, das ein ländliches Idyl samt Traktor, Hahn und Dorf im Hintergrund in buntestem HDR zeigt und eigentlich nach mehr aussah.

Fazit:

Unterm Strich bleibt also nicht viel von „Steif und Kantig“, den zwei ermittelnden Schwestern. Auch der günstige Preis, zu dem das eBook zu haben ist, macht den Inhalt nicht wett. Hier stimmt einfach nichts – weder für den hartgesottenen Krimi-Fan, der vermutlich nicht einmal die Hälfte des Büchleins durchhalten wird, noch für den Gelegenheits- und Zwischendurchleser, der sich eher leichte Kost wünscht. Auch die ist bisweilen nur schwer zu verdauen.

Buchdetails:


  • November 2014
  • Verlag: Midnight by Ullstein
  • ISBN: 978-3-95819-016-0
  • eBook: ca. 208 Seiten
*

* = Affiliate Link

The following two tabs change content below.

Carolin Blanck

Das Leben ist zu kurz, um laufend ein schlechtes Buch in die Hand zu nehmen - deshalb schreibt der Wortteufel Buch-Rezensionen. Und weil er schreibt, schreibt er auch über das Schreiben. Logisch - oder?

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: