„Martins Frühling – Als der Krieg zu Ende ging“ von Josef Ebner

Buchcover zu Martins Frühling von Josef Ebner
© Allitera Verlag

Ein Frühling im Krieg, ein Frühling im Leben

„Martins Frühling: Als der Krieg zu Ende ging„, ein Roman von Josef Ebner, erschienen im Allitera Verlag

 

Was ist geschehen?

In einer Welt, in der die tägliche Angst vor Zerstörung und Tod vierunzwanzig Stunden anhält, müssen der zehnjährige Martin und seine Mutter Christa sich so gut es geht durchschlagen. Der Vater Robert wird seit Monaten vermisst, unentwegt fliegen die Bomber der alliierten Streitkräfte über ihre Heimatstadt München – alles ist knapp: Essen, Kleidung, Wasser und sogar die Zeit zum Nachdenken. Im Chaos der letzten Kriegsmonate, das längst zum Alltag geworden ist, warten die meisten nur noch auf das erlösende Ende.

„Die Amerikaner sollen nur kommen“, hatte Frau Kronwitter vom dritten Stock einmal gesagt, „die stinken wir zur Stadt hinaus.“
~ aus „Martins Frühling“, Kapitel I

In all dem Elend und den Wirren der Heimatfront wächst Martin heran und erlebt jeden Tag doch noch durch die Augen eines Kindes, das nichts als den Krieg kennt. Doch erwachsen werden muss jeder irgendwann, auch Martin. Als er zu allem Übel auch noch herausfindet, dass seine Mutter eine Affäre mit einem französischen Kriegsgefangenen hat, läuft er kurzerhand davon.

„Alles Scheiße, weißt du. Totale Scheiße. Das ganze Leben.“
~ aus „Martins Frühling, Kapitel VI

Die letzten Kriegsmonate im Süden Deutschlands

Ungeschönt und doch einfühlsam schildert Josef Ebner das Leben eines zehnjährigen Jungen, der im Chaos des Krieges und stets begleitet von der Angst vor Verlust und dem eigenen Tod erwachsen wird. An der Seite seiner Mutter Christa erlebt Martin im zerbombten München den Frühling 1945, als die meisten sich das Ende bereits sehnlichst herbeiwünschten. Gleichzeitig erlebt er seinen eigenen Frühling – das Kind, das sich kaum noch an den Frieden erinnern kann, steht an der Schwelle seiner Kindheit, mit all den kleinen und großen Problemen und Veränderungen, die das Erwachsenwerden mit sich bringt.

In seiner Erzählung spart Ebner nichts aus. Der Leser begleitet Martin hinab in den Luftschutzkeller und bekommt das Leid, das die Bombenangriffe zurücklassen, hautnah mit. Es ist ein sehr persönliches Schicksal, das mit der Geschichte um Christa und ihren Sohn erzählt wird, eine Geschichte über große Freundschaft, Scheinheiligkeit und Verrat, über Stärke und Schwäche gleichermaßen und es ist eine Geschichte über das verzeifelte Bemühen einer Generation um etwas Normalität, als nichts mehr normal war.

Fazit:

Martins Geschichte ist ein erschreckendes und doch wunderschönes Protokol der letzten Kriegsjahre und die einfühlsam erzählte Geschichte eines kleinen Jungen, der seinen Weg aus der Kindheit sucht.

Vier Sterne

Buchdetails:


  • April 2015
  • Verlag: Allitera Verlag
  • ISBN: 978-3869067049 (Printausgabe)
  • Hardcover: 224 Seiten

„Martins Frühling“ ist bei Allitera bisher als Hardcover*
und als eBook* erschienen.

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Carolin Blanck

Das Leben ist zu kurz, um laufend ein schlechtes Buch in die Hand zu nehmen - deshalb schreibt der Wortteufel Buch-Rezensionen. Und weil er schreibt, schreibt er auch über das Schreiben. Logisch - oder?

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