„Irma“ von Tex Rubinowitz

Buchcover zu Irma von Tex Rubinowitz
© Rowohlt

Total irre – und irgendwie geil!

„Irma“, von Tex Rubinowitz, erschienen bei Rowohlt.

Was ist geschehen?

Es ist ein Klassiker: Wie ein Wirbelsturm fegte sie einst durch sein Leben, ging so rasch, wie sie kam und alles, was sie zurückließ, war ein Zettel auf dem Küchentisch. Der Zettel ist längst vergessen und die Person, die ihn schrieb wahrscheinlich auch, als dreißig Jahre später eine Freundschaftsanfrage auf Facebook den Verlassenen erreicht – sie ist von Irma, der Zettelschreiberin und mit ihr kommen all die Erinnerungen hoch, an ein vergangenes Leben, das so lange zurückliegt, dass er schon nicht mehr weiß, ob es tatsächlich so gewesen ist – oder nicht doch ganz anders.

Ähnlichkeiten mit lebenden Personen nicht ausgeschlossen

Mit der Freundschaftsanfrage beginnt das Erinnern, doch es ist keine Erinnerung an ein Leben, wie es gelebt wurde. Es sind Episoden aus dem Leben eines Mannes, der die besten Jahre wohl schon hinter sich hat – zumindest legt seine Haltung das nahe. Es sind Erinnerungen an bessere, lebendigere Zeiten, als alles noch irgendwie in Bewegung war und nichts in Stein gemeißelt. Das Leben, ein einziges „sich ausprobieren“ zwischen der gescheiterten Liebe zu Irma und all jenen, die nach ihr kamen, Nachtschichten in der Joghurtfabrik und Reisen an die vielleicht obskursten Orte dieser Welt, an denen Dinge geschehen, die so seltsam sind, dass der Autor sie sich unmöglich ausgedacht haben kann. Ähnlichkeiten zum Dasein des Text-Verfassers scheinen durchaus gegeben – oder geht der Leser dem Autor hier auf dem Leim?

Ist „Irma“ nun Literatur gewordenes Leben oder lebendige Literatur? Man weiß es nicht und es ist auch nicht wichtig. Fakt ist, Irma ist vollkommen durchgeknallt und nicht minder durchgeknallt sind die Geschichten, die Tex Rubinowitz zu erzählen hat. An irgendeinem Punkt wird aber auch dem letzten klar: Irma hat es nie gegeben und mit der Erkenntnis schleicht sich unweigerlich wieder die Frage ins Hirn des Lesers: Und der Rest – gab es den auch nicht? Egal!

Was unterm Strich zählt ist, ob es Spaß gemacht hat und so skuril und irre „Irma“ auch ist, der Text macht Spaß, auch wenn er hier und da vor unnützem Wissen überbordet und den Leser zu langweilen droht. Irgendwie gehört dieses unnütze Wissen und all die hohlen Fakten dazu. Ungeordnet und chaotisch liegen sie herum im Leben des Protagonisten, der es nicht einmal fertigbringt, sein Leben in chronologischer Abfolge Revue passieren zu lassen. Warum auch? Wer erinnert sich schon so?

Fazit:

Zugegeben, „Irma“ ist nicht einfach, auch wenn sich der Roman recht einfach liest und er ist ganz sicher nicht jedermanns Sache. Mich aber hat „Irma“ wieder erwarten vollkommen positiv überrascht. Die einzelnen Episoden eines ungeplanten Lebens sind mal amüsant, mal erschreckend und oft so verrückt, dass sie nur wahr sein können. Man wird „Irma“ lieben – oder auch nicht, aber man sollte es zumindest versucht haben.

Buchdetails:


  • 06. März 2015
  • Verlag: Rowohlt
  • ISBN: 978-3498057992
  • Hardcover: 240 Seiten

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Irma von Tex Rubinowitz*

* = Affiliate Link

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Carolin Blanck

Das Leben ist zu kurz, um laufend ein schlechtes Buch in die Hand zu nehmen - deshalb schreibt der Wortteufel Buch-Rezensionen. Und weil er schreibt, schreibt er auch über das Schreiben. Logisch - oder?

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