„Grazie, Genova – Zwei Jahre al dente“ von Bernadette Olderdissen

Buchcover zu Grazie Genova Zwei Jahre al dente von Bernadette Olderdissen
© Rowohlt

So langweilig wie Spaghetti ohne Sauce!

„Grazie, Genova – Zwei Jahre al dente“ von Bernadette Olderdissen, erschienen bei Rowohlt E-book only.

 

 

 

Was ist geschehen?

Unverhofft kommt oft und so entschließt sich die unstete Sonja, die sich bisher gern in der Weltgeschichte herumgetrieben hat, einen Job an einer Sprachschule in Italien anzunehmen und fortan im ligurischen Genua Deutsch zu unterrichten. Dumm nur, dass sie selbst nicht so richtig Italienisch spricht, vom Unterrichten eigentlich gar keine Ahnung hat und auch sonst nicht wirklich weiß, was sie in Italien eigentlich erwartet, geschweige denn, was sie dort will. Hals über Kopf stürzt sie sich in ihr neues Leben und lernt es rasch lieben – nur mit der Liebe an sich will es nicht so recht klappen!

Was ist davon zu halten?

Leider nur sehr wenig! Um es gleich vorweg zu nehmen, es wäre nicht so, als könnte Bernadette Olderdissen nicht schreiben. Ihr Schreibstil, der sich gut und flüssig lesen lässt und auch interessant und passend ist, hat es mir überhaupt möglich gemacht, das Buch bis zum Ende durchzuhalten – nur die Geschichte, die ist leider sogar zum Sterben zu langweilig.

Wer einen witzigen Roman à la „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“ erwartet, urkomisch, amüsant und doch wie aus dem wahren Leben gegriffen, wird mit „Grazie, Genova“ leider schwer enttäuscht. Zwar ist es tatsächlich die Geschichte einer Auswanderin, die mehr oder weniger freiwillig in Genua landet, um dort sozusagen von Null zu beginnen, doch es ist leider auch die Geschichte einer eher durchschnittlichen Protagonistin, die zwar oft nervt, aber leider nicht im positiven Sinn. Es sind Sonjas negativen Eigenschaften, auf denen die Ich-Erzählerin zu allem Übel auch noch permanent herumreitet, die es dem Leser schwer machen, sich mit Sonja zu solidarisieren. Sie ist nicht besonders ordentlich, hat kaum eine der berühmten deutschen Tugenden abbekommen und lässt ständig Lebensmittel im Kühlschrank vergammeln. Als sie versucht ihren Führerschein in Italien zu machen – ein Unternehmen, an dem sie sich in Deutschland bereits die Zähne ausgebissen hat – stellt sie sich so unkomisch dumm an, dass ich als Frau am liebsten in Grund und Boden versunken wäre.

In „Grazie, Genova“ kommen die komischen und amüsanten Elemente leider viel zu kurz. Was wirklich witzig sein könnte, lässt die Autorin leider rasch links liegen, wie u.a. Sonjas Leben und Erleben als Lehrerin an einer Sprachschule, die von einem eher durchgeknalltem Ehepaar geleitet wird, oder die eben nicht vertraute italienische Lebensart, die über Unpünktlichkeit, Pizza-Essen und Bruzeln am Strand hinausgeht. Statt dessen konzentriert sich Bernadette Olderdissen auf Sonjas Liebesleben, das so schrecklich stinkend normal ist, dass es bereits wehtut. Erst verliebt sie sich in den einen Schüler ihres Sprachkurses – diese Liebe endet, wenn auch nicht tragisch. Darauf schwört sie den Männern ab, schließt allerlei Freundschaften und verliebt sich schließlich doch wieder in einen ihrer Schüler. Eh diese Liebe auch zu enden droht, reißt Sonja das Ruder herum und entscheidet sich für die Liebe und einen neuen Versuch im schönen Frankreich – dessen Sprache sie auch nur mittelmäßig spricht. Sie sagt also „Grazie, Genova“ und kehrt der Stadt, die zwei Jahre ihre Heimat war, den Rücken. Das wars!

Fazit:

Leicht und lockerer Sommerlektüre sieht leider vollkommen anders aus. Anstatt eines witzigen Auswanderer-Abenteuers, gespickt mit ein bisschen Amore, bekommt der Leser das seichte Geplänkel einer Frau vorgesetzt, die zwar das ein oder andere Mal durchaus Mut beweist, aber eigentlich so gar nicht weiß, was sie will. Ihre Geschichte ist zudem noch so einfach und in ihrer Besonderheit leider doch so alttäglich, dass sie einfach keinen Spaß macht. Ich bin sicher, Bernadette Olderdissen kann es besser!

Zwei_Sterne

Buchdetails:


  •  30.Mai 2015  
  • Verlag: Rowohlt E-Book Only
  • ISBN: 978-3-644-54961-6
  • eBook: 330 Seiten

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Carolin Blanck

Das Leben ist zu kurz, um laufend ein schlechtes Buch in die Hand zu nehmen - deshalb schreibt der Wortteufel Buch-Rezensionen. Und weil er schreibt, schreibt er auch über das Schreiben. Logisch - oder?

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