„Für immer ist ganz schön lange“ von Lynne Schwartz

© Kein & Aber

Eine verkorkste Ehe und allerlei Belanglosigkeiten – Muss das sein?

„Für immer ist ganz schön lange“, Lynne Schwartz Debüt-Roman aus dem Jahr 1980 in einer Neuauflage, erschienen beim schweizer Verlag Kein & Aber

 

 

Was ist geschehen?

Als Ivan vom Joggen nicht nach Hause zurückkehrt, die Minuten nur langsam verstreichen und das Warten immer unerträglicher wird, spielen sich in Carolines Kopf die verschiedensten Szenarien ab. Sollte dies nun tatsächlich das Ende ihrer zwanzigjährigen Beziehung sein? Er macht sich einfach aus dem Staub, ohne ein Wort? Wieso ist überhaupt er derjenige, der geht – hatte sie nicht selbst oft genug darüber nachgedacht, alles hinzuschmeißen und ohne ihn neu anzufangen? Andererseits: Haben sie sich nicht trotz aller Krisen und Affären immer wieder zusammengerauft? Vielleicht wurde er auch überfallen, liegt irgendwo in Manhattan am Straßenrand und wartet auf Hilfe? Lynne Schwartz nimmt uns mit auf eine mitreißende, emotionale Achterbahnfahrt, die durch alle Höhen und Tiefen einer langjährigen Beziehung führt – eine literarische Wiederentdeckung und ein packendes, intelligentes und zeitloses Plädoyer für das Durchhalten im Beziehungsleben.

(Klappentext @ Kein & Aber Verlag)

Was ist davon zu halten?

Ja, ich stehe noch nicht kurz vor der Rente, habe keine zwei Kinder groß gezogen, nicht mein ganzes Leben an der Seite eines Mannes verbracht oder mich von ihm scheiden lassen. Aber, ich bin auch nicht mehr Anfang Zwanzig, ich bin schon das ein oder andere Jährchen verheiratet und ich habe mit meinem Mann schon so manches Tal durchschritten. Vielleicht bin ich also nur bedingt die richtige Leserin für dieses Buch. Vielleicht hätte meine Mutter „Für immer ist ganz schön lang“ zugeklappt und gesagt: „Ja, genau so ist es!“ Das glaube ich aber nicht wirklich und trotz all dieser Vielleichts bleibt am Ende des Buches nur eines: Die Frage, wie es überhaupt bis zur letzten Seite geschafft habe.

Für immer ist ganz schön lang“ und ich scheiterten bereits an einer falschen Erwartungshaltung. Glaubte ich, Caroline in den Momenten ihrer Angst zu erleben, wenn sie fürchtet, dass ihr Mann sie am Ende einer langen Ehe doch verlassen hat, so bekam ich die Geschichte ihrer Ehe präsentiert. Doch ohne Angst, denn Ivan taucht ziemlich bald wieder auf. Diese Ehe ist in meinen Augen nun aber – wie drücke ich es aus? – recht zweifelhaft. Über lange Strecken habe ich mich gefragt, was die zwei beieinander hält oder warum zwei so intelligente und auch erfolgreiche Menschen sich dergleichen antun. Für manchen Leser mag sich zum Ende hin erschlossen haben, was Caroline und Ivan aneinander bindet, für mich blieben die beiden Protagonisten bis zum Schluss ein Rätsel.

Wie der Marathon, als den die beiden ihre Ehe bezeichnen, zog sich für mich auch die Lektüre hin. Ein zäher, ewiger Kampf und auch auf der letzten Seite fühlte es sich noch immer nicht wie ein Sieg an.

Fazit:

„Für immer ist ganz schon lang“ ist kein schlechtes Buch. Über einige Strecken fand ich die Geschichte durchaus ansprechend und erkannte mich gar selbst wieder. Meistens jedoch war meine Sicht auf diese Ehe vielleicht einfach zu mordern. Ich glaube nicht daran, dass man am Teufel festhalten muss, nur weil man sich einmal für ihn entschieden hat. Die Protagonisten, allen voran Caroline, blieben mir bis zum letzten Satz sehr fremd, um nicht zu sagen, sie waren unsympathisch. Doch vielleicht ergeht es mir mit Lynne Schwartz wie mit Martin Walser: In ein paar Jahren sieht alles möglicherweise ganz anders aus.

Drei_Sterne

Buchdetails:


  • 1. September 2015
  • Verlag: Kein & Aber
  • ISBN: 978-3-0369-5725-8
  • Hardcover: 256 Seiten

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Carolin Blanck

Das Leben ist zu kurz, um laufend ein schlechtes Buch in die Hand zu nehmen - deshalb schreibt der Wortteufel Buch-Rezensionen. Und weil er schreibt, schreibt er auch über das Schreiben. Logisch - oder?

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