„Florian Berg ist sterblich“ von Janko Marklein

Buchcover zu Florian Berg ist sterblich von Janko Marklein
© Blumenbar

Die schonungslose, abgründige Schilderung einer durchschnittlichen westdeutschen Jugend?

„Florian Berg ist sterblich“ von Janko Marklein, erschienen bei Blumenbar.

 

 

 

Was ist geschehen?

Florian Berg ist sterblich! So die logische Konklusion aus den Prämissen, dass alle Menschen sterblich sein und Florian Berg schließlich auch nur ein Mensch. Doch Florian Berg ist nicht einfach ein Mensch. Aufgewachsen im ebenso malerischen wie durchschnittlichen Wolfenbüttel in Niedersachsen, geht der Musterschüler schließlich nach Leipzig, um Philosophie zu studieren. Er erzählt seine Geschichte selbst und Retrospektiven auf die Jugend wechseln sich ab mit den Schilderungen des Studentenlebens in Leipzig. Dabei ist das eine wie das andere eigentlich unendlich normal und gradlinig. Doch Florian Berg ist irgendwie anders. Während er sein Dasein in einem sonderbaren Zustand der absoluten Teilnahmslosigkeit fristet, entwickeln sich keine Beziehungen, keine echten Freundschaften. Florian Berg glänzt mit absoluter Empathielosigkeit – ein Zustand, der bis zum Abitur anhält und den er schließlich auch im Gepäck hat, als er Leipzig erreicht und so setzt sich in seinem Studentenleben fort, was in der Jugend begann – Florian Berg kann einfach nicht anders.

Was ist davon zu halten?

An ihm scheiden sich die Geister und so schrecklich einsilbig, oberflächig und irgendwie langweilig Florian Berg auch ist – er erhitzt die Gemüter, er regt auf, er lässt den Leser den Kopf schütteln und eigentlich tut er doch immer nichts. Doch das ist das schlimme, das grausame an ihm. In ihm brennt kein Feuer, lodert keine Leidenschaft – für nichts! Dabei ist Florian Berg durchaus ein durchschnittlicher Jugendlicher. Er engagiert sich für den Umweltschutz und zockt mit seinen Freunden auf LAN-Partys die Nächte durch. Er kommt aus geordneten Verhältnissen, die Eltern sind beide Pastoren und obwohl in der Ehe nicht immer eitel Sonnenschein herrscht, gelingt es den Bergs doch, einen gemeinsamen Weg zu finden.

Doch spätestens an der Beziehung Florians zu seinen Eltern reibt sich der Leser und fragt sich, was mit dem Protagonisten eigentlich nicht stimmt, denn während es für alle Welt mehr als deutlich scheint, dass die Ehe Florians Eltern in der Krise steckt, geht diese an ihrem einzigen Sohn vollkommen unbeachtet vorbei – allen Bemühungen des Vaters zum Trotz, den Sohn irgendwie „auf dem Laufenden“ zu halten.

Was hier beginnt, will dann nicht enden. Gleich, ob es sich um Florians erste, zweite oder dritte Begegnungen mit dem anderen Geschlecht handelt oder in seinen Beziehungen zu seinen Schulfreunden und später zu seinen Kommilitonen, Florian bleibt seltsam kalt und teilnahmslos. Nicht einmal den lang erhofften Sex mit seiner Angebeten vermag irgendeine echte Regung in ihm auszulösen.

So gerät Florian Berg – zweillos vom Autor gewollt – zum absoluten Unsympath. Eine Figur, die genau das ist, was der Leser von einem Jugendlichen der 90er Jahre erwartet und doch wieder nicht. Zudem erzählt Janko Marklein eine Geschichte ohne Geschichte, denn alles in allem ist Florians Leben und Dasein so eintönig und durchschnittlich, dass es des Erzählens eigentlich nicht wert ist. Was den Leser an die Geschichte bindet und in ihr hält, sind zum einen Florians Andersartigkeit, die Marklein so erschütternd trocken und als gegeben darstellt, dass es fast schon wehtut und zum anderen der gelungene Erzählstil, denn Marklein versteht sein Handwerk. Mehr Farbe und Leben erhält die Geschichte durch all die Randfiguren, denen Florian begegnet. Menschen, die oft mit sehr viel mehr Leidenschaft bei der Sache sind und doch auch alle ihr Päckchen tragen. Keiner von ihnen ist so ganz normal und doch ist niemand wie Florian.

Am Ende packt es Florian und die Sehnsucht nach der geliebten Frau treibt ihn zu einer Reise nach Chile. Spätestens hier wird die Geschichte leider etwas zäh, denn obwohl Florian für seine Verhältnisse viel Einsatz zeigt, um die Angebete zu erobern, verpuffen diese Bemühungen doch im Nichts. Florian bleibt unsympathisch bis zum Schluss, nicht einmal mehr bedauern mag ihn der Leser.

Fazit:

Dennoch ist „Florian Berg ist sterblich“ das mehr als gelungenes Debüt eines jungen Autors, der ein überspitztes Bild der Zeit seiner eigenen Jugend zeichnet und neben Bov Bjergs „Auerhaus“ so gut in das aktuelle Programm von Blumenbar passt, wie kein zweites Buch. Markleins Erzählstil und -technik sind überraschend ausgereift und wirken trotz aller Handwerkskunst nie gewollt oder gezwungen. Der Leser darf gespannt bleiben, was Janko Marklein in Zukunft noch für uns bereithält.

Vier_Sterne

Buchdetails:


  • 19. August 2015
  • Verlag: Blumenbar
  • ISBN: 978-3-351-05022-1
  • Hardcover: 336 Seiten

„Florian Berg ist sterblich“ ist u.a. als Hardcover* und als eBook für den Kindle* erhältlich.

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Carolin Blanck

Das Leben ist zu kurz, um laufend ein schlechtes Buch in die Hand zu nehmen - deshalb schreibt der Wortteufel Buch-Rezensionen. Und weil er schreibt, schreibt er auch über das Schreiben. Logisch - oder?

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