„Ein wunderbares Jahr“ von Laura Dave

Buchcover zu Ein wunderbares Jahr von Laura Dave
© Blanvalet

Bitte pur genießen – am besten mit einem guten Glas Wein

„Ein wunderbares Jahr“, ein Roman von Laura Dave, erschienen bei Blanvalet.

 

 

 

 

Was ist geschehen?

„Synchronisation – um vereint zu funktionieren.
Bei einem Weinberg bedeutet Synchronisation zu beobachten und zu warten, bis sich alles fügt.“
~ aus „Ein wunderbares Jahr“, S. 82.

Georgia Ford ist jung, hübsch, erfolgreich und im Begriff den Mann zu heiraten, der absolut perfekt für sie ist. Doch ausgerechnet in dem Augenblick, in dem sie das letzte Mal ihr Hochzeitskleid anprobiert und dem schönsten Tag ihres Lebens freudig entgegenfiebert, zerbricht ihre Welt in tausende winziger Scherben.
Hals über Kopf und das Hochzeitskleid noch immer am Leib, springt Georgia in ihr Auto und macht sich auf eine 800 Kilometer lange Reise zurück an den Ort ihrer Kindheit: The last Straw – der Weinberg ihrer Eltern, irgendwo im kalifornischen Hinterland, der ihr Ruhe und Geborgenheit verspricht.
Doch es kommt anders und Georgia muss feststellen, dass es um ihre geliebte Heimat kaum besser bestellt ist, als um ihre eigene Zukunft. Nun ringt sie nicht nur um das Liebesglück mit dem perfekten Ehemann, sondern auch um die Welt ihrer Kindheit – doch sie hat nicht mit dem gerechnet, das sie bei ihrem Kampf ganz zufällig noch findet.

Eine Geschichte wie ein gutes Glas Rotwein

… wird er zu lange stehen gelassen, schmeckt er schal. Und dennoch: „Ein wunderbares Jahr“ atmet von jeder Seite Sonne. Allen Katastrophen und Widrigkeiten zum Trotz kommt der Leser nicht umhin, gemeinsam mit Georgia mitten inhein zu stoplern ins sonnige Kalifornien, kurz vor der Traubenlese. Der herrlich leichte Schreibstil lässt die Geschichte nur so dahinplätschern, ohne dass sie je langatmig oder gar langweilig würde. Doch es geht nicht um Georgia und ihre Gefühlswelt allein – es ist die gesamte Familie Ford, die Laura Dave in die Geschichte hineinwebt. Allen möchte Georgia es recht machen und am Ende führen ihre Gedanken sie immer wieder zu einem Punkt zurück: Dem Weinberg – und was er für sie bedeutet.

„Ein wunderbares Jahr“ ist eine herzliche, warme Familiengeschichte. Es ist die Geschichte von Georgia, auf der Suche nach dem richtigen Weg, aber es ist auch die Geschichte zweier Brüder, die darum kämpfen einander nicht zu verlieren und einer alten Liebe, die vielleicht schon zu lange währt und doch noch nicht rostig ist.

Wer nicht nur auf der Suche nach einem turbulenten Liebesroman ist, sondern bereit ist, in die Geschichte der Familie Ford einzutauchen und dem Weinbau und was er für die Familienmitglieder bedeutet, gern Aufmerksamkeit widmen will, wird mit „Ein wunderbares Jahr“ gut beraten sein.

Doch ohne das ein oder andere Manko kommt auch Laura Daves nicht davon. Das Ende des Romans ist leider schon nach dem ersten Teil der Geschichte absehbar und die überraschende Wendung bleibt aus – auch wenn es natürlich noch hätte anders kommen können. Trotzallem nimmt diese Vorsehbarkeit der Geschichte leider etwas die Spannung und die Fahrt – es ist Laura Daves Erzählstil, der den Leser in der Geschichte hält. Wem dies nicht liegt, wird mit dieser Geschichte vermutlich nicht glücklich.
Persönlich ist mir das Ende eine Spur zu rund geraten. Nach all den relatistischen und zum Teil auch nüchternen Entscheidungen, die dem Ende vorausgingen, hätte es doch etwas weniger perfekt sein sollen.
Zudem ist der Roman tatsächlich wie ein Glas guten Weins zu genießen: Mit Ruhe, aber doch am Stück. Die mangelnde Spannung erlaubt es, das Buch jederzeit zur Seite zu legen. Bleibt es zulange liegen, wird die Geschichte vermutlich ihren Reiz einbüßen.

Verwirrend sind Cover-Gestaltung und deutscher Titel, denn so vielleicht auch Pfirsiche im Weinberg der Familie Ford wachsen, im Buch kommen sie leider ganz und gar nicht vor und dem alles überschattendem Wein wäre hier ganz klar der Vorzug zu geben gewesen. Im Original heißt das Buch „800 Trauben“ und dem Leser wird auch recht schnell klar, warum, denn Laura Daves Roman ist ein wenig wie ein großes Gleichnis, das am Ende alles auf den Wein und seine Herstellung zurückführt. Die eigentliche Handlung umfasst ziemlich genau eine Woche, auch wenn es immer wieder Rückblenden auf die Vergangenheit der Eltern Ford gibt – woher das Jahr aus dem deutschen Titel stammt, konnte ich mir bis zum Ende leider nicht erklären.
Ich muss gestehen, dass mich beides, Cover und Titel, einfach geärgert hat – eine Marketing-Entscheidung? Wenn ja, erscheint sie mir eher unsinnig.

Fazit:

Als Sommerlektüre ist „Ein wunderbares Jahr“ unbedigt zu empfehlen. Der Roman bringt von allem ein wenig mit: Sonne, Liebe, Familie und auch Tiefgang, ohne dabei zu schwer zu werden. Das Buch ist interessant zu lesen und kurz gesagt einfach schön, jedoch kein Page-Turner. Daher lautet mein Urteil 3 bis 4 Sterne, die ich hier einfach mal in Richtung der vier ausschlagen lasse, da ich dennoch guten Gewissens für das Buch auf eine Leseempfehlung aussprechen kann.

Vier_Sterne

Buchdetails:


  •  27. April 2015
  • Verlag: Blanvalet
  • ISBN: 978-3-7341-0156-4
  • Taschenbuch: 352 Seiten

„Ein wunderbares Jahr“ erschien bisher als Taschenbuch*, als eBook* und auch als Hörbuch*.

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* = Affiliate Link

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Carolin Blanck

Das Leben ist zu kurz, um laufend ein schlechtes Buch in die Hand zu nehmen - deshalb schreibt der Wortteufel Buch-Rezensionen. Und weil er schreibt, schreibt er auch über das Schreiben. Logisch - oder?

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