„Die Seiten der Welt – Band II: Nachtland“ von Kai Meyer

Buchcover zu Die Seiten der Welt - Nachtland von Kai Meyer
© Fischer fjb

Es wird rasant, sehr viel düsterer und auch grausamer als bisher!

Die Seiten der Welt – Nachtland„, der zweite Band der Bibliomanten-Trilogie aus der Feder von Kai Meyer, erschienen bei Fischer fjb.

 

 

 

Der Widerstand regt sich

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Spoiler – Ohne Kenntnis des ersten Bandes bitte nicht lesen!

Es tut sich was im schönen England. Es ist der Widerstand gegen die Adamititsche Akademie, der sich regt. Nachdem es Furia im ersten Band gelungen ist, die Entschreibung der Welt zu verhindern, wollen sie und ihrer Freunde nun der Akademie persönlich zu Leibe rücken. Auf der Suche nach der Sanktuariumskarte, die sie ins Allerheiligste der Akademie führen soll, brechen sie bei Marduk, einem gefürchteten und gesetzlosen Exlibro ein. Doch etwas geht gehörig schief und bringt das Vertrauen innerhalb des Widerstandes ins Wanken.

Verzweifelt versucht Furia, den Zusammenhalt innerhalb der Gemeinschaft zu wahren, soch als in die Residenz eingebrochen wird und einer ihrer wichtigsten Mitglieder dem Übergriff zum Opfer fällt, kann auch Furia kaum noch etwas gegen die Risse tun, die sich langsam aber allmählich durch das Gefüge der Gemeinschaft ziehen.

Was ist davon zu halten?

Summerbelle rümpfte die Nase. „Ich hatte mal einen Bettpfosten, der war wie er. Nur klüger.“ aus „Die Seiten der Welt – Nachtland“, S. 296.

Das ist zweifelsohne die Krux an einer Fortsetzung: Sie kann und darf den Vergleich mit dem Vorgänger nicht scheuen! Um so schöner, wenn die Fortsetzung diesem Vergleich auch standhalten kann. Der zweite Band der Bibliomanten-Trilogie „Die Seiten der Welt – Nachtland“ kommt bei diesem Vergleich leider nicht gar so gut weg, wie sein Vorgänger.

Noch immer steht und fällt die Geschichte mit seiner Protagonistin Furia und auch in „Die Seiten der Welt – Nachtland“ weiß die blutjunge Bibliomantin sich gegen die Akademie und ihre Schergen zur Wehr zu setzen und den Leser für sich einzunehmen. Auch jene Figuren, die das Abenteuer des ersten Bandes heil überstanden haben, stehen Furia wieder mit Rat und Tat zur Seite. Die meisten sind gut ausgestaltet, lebendig und greifbar. Doch schon hier gibt es kleine Schattenseiten, denn manche Figuren bleiben so flach und farblos, dass der Leser nicht umhin kommt sich zu fragen, ob sie nur in die Geschichte geschrieben worden sind, um in diesem oder dem nächsten Buch über die Klinge zu springen. An mancher Stelle sind es aber nicht nur diese eher blassen Figuren, die das Lesevergnügen schmälern, sondern auch die Protagonisten rund um Furia selbst, die dem Leser das Leben schwer machen. Es gibt Momente innerhalb der Geschichte, da werden Kai Meyers Figuren erschreckend unsympathisch, kaltherzig und gefühllos. Ein Krieg fordert immer Opfer und verlangt oft nach scheußlichen Taten – doch über all dem scheint Kai Meyer bisweilen zu vergessen, dass ein erheblicher Teil seiner Protagonisten noch halbe Kinder sind.

Die Geschichte an sich ist wie immer ordentlich aufgebaut und gut ausgestaltet. Kai Meyers Schreibstil macht auch „Die Seiten der Welt – Nachtland“ wie immer zu einem leichten Lesespaß – auch in Nachtland glänzt der Autor sprachlich sehr viel mehr, als in manch vorangegangenem Werk. Der Kampf gegen die Akademie beginnt vom Fleck weg sehr rasant – ein eher untypischer Einstieg für Kai Meyer – und bleibt es auch. Im zweiten Band wird es sehr viel temporeicher als im ersten, aber auch um einiges grausamer und düsterer. Das alles nimmt der Geschichte nichts an Qualität und doch ist die Forstetzung nicht so einnehmend, wie noch der erste Teil. Dies hat zwei Gründe: Zum einen rückt die Liebe zum Buch, zur Literatur, die jedem Bibliomanten zu eigen ist, sehr in den Hintergrund und zum anderen ist der Erzählstil gegenüber dem ersten Band doch etwas anders. In „Die Seiten der Welt – Nachtland“ macht Kai Meyer deutlich mehr Handlungsstränge auf, als noch im ersten Band. Die kurzen Kapitel werfen den Leser geradezu überhastet durch die komplexe Handlung, die an allen Ecken und Enden mit neuen Informationen aufwartet. Es ist schwer den Überblick zu behalten und das Lesen verlangt einiges an Konzentration, will der Leser nicht ein ggf. noch einmal wichtiges Detail überlesen oder hier und da zurückblättern müssen.

In „Die Seiten der Welt – Nachtland“ werden darüber hinaus einige Handlungsstränge angelegt, die über den zweiten Band hinausführen und auf den dritten verweisen. Sie werden in Nachtland nicht wieder aufgegriffen, was an mancher Stelle zu ein wenig Unmut beim Leser führt. Wieder andere Ereignisse innerhalb der Geschichte geraten über lange Strecken ins Vergessen. So geht der Überfall auf die Residenz z.B. mit einem Diebstahl einher – wer diesen Diebstahl tatsächlich begangen haben könnte, wird aber erst wieder zum Ende des Buches wirklich relevant.

In der Summe bleibt „Die Seiten der Welt – Nachtland“ zwar eine gelungene und spannende Fortsetzung, doch der Geschichte ist leider der besondere Charme verloren gegangen, der den ersten Band ausgezeichnet hat.

Fazit:

Wer den ersten Teil der Trilogie gelesen hat, kommt an „Die Seiten der Welt – Nachtland“ nicht vorbei und wird sich am Ende des Buches auf die Fortsetzung freuen – trotallem. Dennoch bleibt für den Abschluss der Trilogie zu hoffen, das der Zauber der Bibliomantik wieder Einzug hält in Furias Geschichte.

Vier_Sterne

Buchdetails:


  •  22. Juni 2015  
  • Verlag: Fischer fjb
  • ISBN: 978-3-8414-2166-1
  • Hardcover: 592 Seiten

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Carolin Blanck

Das Leben ist zu kurz, um laufend ein schlechtes Buch in die Hand zu nehmen - deshalb schreibt der Wortteufel Buch-Rezensionen. Und weil er schreibt, schreibt er auch über das Schreiben. Logisch - oder?

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