„Die Seiten der Welt“ Band I – von Kai Meyer

Buchcover zu Die Seiten der Welt Band 1 von Kai Meyer
© Fischer fjb

Kai Meyer mal anders – und gut!

Die Seiten der Welt„, der erste Band der neuen Trilogie von Fantasy-Autor Kai Meyer, erschienen bei Fischer fjb.

 

 

 

 

 

Was ist geschehen?

Die Welt der 15jährigen Furia Salamandra Fairfax ist anders. Sie lebt in einer Welt, in der die märchenhafte Kraft von Büchern nicht nur von der Geschichte ausgeht, die sie erzählen, sondern in der es Menschen gibt, die sich die besondere Macht der Worte zu nutzen machen können, um magische Dinge zu wirken. Furia selbst ist so ein Mensch, sie ist eine Bibliomantin. Doch ihre Kräfte sind begrenzt, denn sie hat ihr Seelenbuch noch nicht gefunden, mit dessen Hilfe sie tatsächlich auf ihre biblomantischen Fähigkeiten zugreifen kann.

Mit ihrem Bruder Pip und ihrem Vater lebt sie auf einem einsamen, abgelegenen Landsitz in England, der eine riesige Bibliothek birgt. Doch das Leben der Familie Fairfax ist längst nicht so ruhig, wie gehofft. Als eine gesuchte Meuchelmörderin auftaucht, überschlagen sich plötzlich die Ereignisse. Furia gelingt es zu fliehen, doch sie verliert ihren Bruder Pip, der in die Fänge der Mörderin gerät. Unversehens findet sich Furia in einem gefährlichen Abenteuer wieder, das sie in die Stadt der Bücher nach Libropolis und schließlich immer tiefer in die verborgenen Refugien führt.

Was ist davon zu halten?

Moral mochte eine Sache der Erziehung sein, der Verstoß dagegen eher eine Frage der Gewöhnung.“ aus „Die Seiten der Welt“ Band I, S. 303f.

Mit Kai Meyer Romanen ist das ja so eine Sache – irgendwie sind sie immer vor allem eines: typisch Kai Meyer. Man nehme einen fremden Kulturkreis, verfrachte ihn in ein fantastisches Setting, verpasse dem ganzen einen durchaus gut durchdachten Plot und vergesse nicht, entsprechend des Kulturkreises allerlei fantastische Elemente einzubauen. Fakt ist: Es funktioniert und die Geschichten geraten Kai Meyer in der Regel so gut und spannend, dass der Leser gern darüber hinweg sieht, dass sprachlich hier meist kein Blumentopf zu gewinnen ist. Aber, „Die Seiten der Welt“ sind anders und irgendwie kein richtig typisches „Kai Meyer Märchen“. Sie sind sehr viel besser!

Wie Siebenstern in der Geschichte, so ist in „Die Seiten der Welt“ Kai Meyer tatsächlich bis ins kleinste Detail der Schöpfer seiner Welt und der Meister der Bibliomantik. Mit einem schier unerschöpflichen Ideenreichtum gestaltet Kai Meyer eine Welt zwischen den Seiten eines jeden Buches, das je geschrieben und gelesen wurde, ohne die Geschichte mit zuviel Informationen über diese sagenhafte Welt zu überfrachten und den Leser so zu überfordern. Doch in „Die Seiten der Welt“ gibt es nicht nur eine ganz neue, fremde Welt zu entdecken. Die Geschichte, die Kai Meyer rund um sein Volk aus Bibliomanten, Exlibri und Menschen spinnt, ist spannend und phasenweise regelrecht nervenaufreibend. Gemeinsam mit Kai Meyers gewohnt einfachem, flüssigen Schreibstil, der sich flott weglesen lässt, sind „Die Seiten der Welt“ wiedermal ein großes Lesevergnügen. Größere Längen gibt es kaum und auch die Sprache erscheint mir weniger hölzern, als in manch anderem Kai Meyer Roman.

Die Figuren sind Kai Meyer einmal mehr gut gelungen und kommen weder zu glatt, noch zu kantig daher. Glaubhafte Charaktere sind ganz sicher eine der Stärken des Autors, die er auch in „Die Seiten der Welt“ wieder ausspielt. Der Fokus innerhalb der zwischenmenschlichen Beziehungen, die sich im Laufe des Romans entwickeln, liegt ausnahmsweise nur am Rande auf einer Liebesgeschichte, dafür rücken eine ungeahnte Freundschaft und Geschwisterliebe in den Vordergrund.

Das Ende führt, wie immer, gnadenlos zum zweiten Band der Trilogie und lässt den Leser fürs Erste doch mit einer gewissen Befriedigung zurück, denn das erste Abenteuer ist ausgestanden – das nächste steht bereits vor der Tür.

Fazit:

Für Kai Meyer Fans sind „Die Seiten der Welt“ definitiv ein Muss! Wer noch kein Anhänger des Autors ist, könnte hier einer werden. Die Geschichte ist gewohnt souverän entwickelt und schlüssig, der Schreibstil und die Sprache typisch Kai Meyer, vielleicht sogar gelungener als schon zuvor. Definitiv eine Leseempfehlung!

Fünf_Sterne

Buchdetails:


  •  31. Juli 2014  
  • Verlag: Fischer fjb
  • ISBN: 978-3-8414-2165-4
  • Hardcover: 560 Seiten

Buch kaufen? „Die Seiten der Welt“ sind als Hardcover*, als eBook* für den Kindle und als Hörbuch* erhältlich.

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Carolin Blanck

Das Leben ist zu kurz, um laufend ein schlechtes Buch in die Hand zu nehmen - deshalb schreibt der Wortteufel Buch-Rezensionen. Und weil er schreibt, schreibt er auch über das Schreiben. Logisch - oder?

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