„Das Labyrinth“ von Sigge Ekelund

Buchcover zu Das Labyrinth von Sigge Eklund
© DUMONT

Vollkommen anders & erschreckend gut!

„Das Labyrinth“ vom schwedischen Autor Sigge Eklund, erschienen bei Dumont.

 

 

 

 

Magda ist verschwunden

Das ist das einzige, das gewiss ist. Martin und Asa vermissen ihre 11 Jahre alte Tochter. Es gibt keine Lösegeldforderung, keinen Abschiedsbrief, keine Spur. Magda verschwindet einfach und bald geraten die Eltern ins Visier der Ermittler. Martin wird zum Hauptverdächtigen, denn er ist der letzte, der Magda lebend gesehen hat und er hat kein Alibi.

Auf den Irrwegen des Labyrinths

Sigge Eklunds „Das Labyrinth“ ist vollkommen anders und doch einzigartig gut. In einem gekonnt inszinierten Verwirrspiel erzählt Eklund die Geschichte um Magdas Verschwinden aus den Augen vier unterschiedlicher Protagonisten. Da sind zum einen Magdas Eltern, Asa und Martin, die sich augenscheinlich fremd geworden sind und so sehr mit sich und ihrem eigenen Alttag beschäftigt sind, dass kaum Raum für ihr einziges Kind bleibt. Und zum anderen gibt es Tom, den Kollegen und Assistenten Martins, der seinen Chef vergöttert und fest an seine Unschuld glaubt und dessen ehemalige Lebensgefährtin Katja, die tiefer in das Geschehen verstrickt ist, als sie selbst ahnt.

Noch tiefer in das Labyrinth der Geschichte gerät der Leser durch die unterschiedlichen Zeitlinien, auf denen Eklund erzählt. Der Leser erlebt die Protagonisten sowohl in der Zeit lange nach Magdas Verschwinden als auch davor und am Ende laufen alle Fäden zusammen und zeichenen ein großes Ganzes des Labyrinths, in dessen Mitte die Lösung um das Rätsel liegt – doch es ist nur der Leser, der dieses Ganze überschauen wird.

Thriller oder nicht?

Zugegeben, ich hatte etwas vollkommen anderes erwartet, als ich bekommen habe und zwischenzeitlich war ich ganz und gar genervt von der Geschichte, die so überhaupt nicht sein wollte, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Doch am Ende wurde Sigge Eklunds Roman noch zu dem versprochenen Page-Turner. Allerdings, ein Thriller ist dieses Buch mitnichten!

An Spannung und unerwarteten Wendungen mangelt es dennoch nicht. Bis zum Ende ist kaum abzusehen, welchen Verlauf die Geschichte nehmen wird und die Auflösung ist erschütternd und überraschend zugleich und lässt den Leser nachdenklich zurück.

Auch Eklunds Schreibstil ist anders und vielleicht auch gewöhnungsbedürftig. Er lässt seine Protagonisten ihre Geschichte im Präsens erleben und erzählt einen Großteil der Geschichte mittels der Erinnerungen seiner vier Hauptcharaktere. Einmal eingelesen liest sich Eklunds Stil sehr angenehm und flüssig.

Die vier Hauptcharaktere, einer unsympathischer als der andere, geben die Würze in der durch und durch spannenden Geschichte und verlangen hier und da einiges vom Leser ab. Besonders der Einstieg in die Geschichte mit der Mutter Asa ließ mich ob ihrer Gefühlskälte hier und da frösteln und doch ist es nicht so, als wären Eklunds Figuren unausstehlich – sie sind nur sie selbst!

Fazit:

Sigge Eklund ist mit „Das Labyrinth“ ein einzigartig spannender Roman gelungen, der sowohl durch die Geschichte, vor allem aber durch die vier Hauptfiguren lebt. Wer einen nervenaufreibenden Thriller erwartet, sollte die Finger von dem Buch lassen. Doch wer etwas ganz anderes wagen möchte, muss „Das Labyrinth“ unbedingt lesen.

Vier_Sterne

Buchdetails:


  • 20. Mai 2015
  • Verlag: Dumont
  • ISBN: 978-3-8321-9758-2
  • Taschenbuch: 384 Seiten

„Das Labyrinth“ erschien bisher als Taschenbuch* und als eBook*.

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Carolin Blanck

Das Leben ist zu kurz, um laufend ein schlechtes Buch in die Hand zu nehmen - deshalb schreibt der Wortteufel Buch-Rezensionen. Und weil er schreibt, schreibt er auch über das Schreiben. Logisch - oder?

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