„Bullet Schach! von Ben Bauhaus

Buchcover zu Bullet Schach von Ben Bauhaus
© LYX Egmont

Jede Figur ein Leben!

„Bullet Schach“, eine tödliche Schachpartie, erzählt von Ben Bauhaus, erschienen bei Egmont Lyx.

 

 

 

 

 

Wer spielt mit?

Johannes Thiebeck ist vieles – doch eines ist er nicht: einfach! Es ist noch nicht allzulange her, dass dem leidenschaftlichen Schachboxer seine impulsive Art und sein aufbrausendes Temprament zum Verhängnis wurden. Seither ist der einstige Hauptkommissar vom Dienst suspendiert und hält sich mehr schlecht als recht als Sicherheitsberater über Wasser. Doch als sein vor wenigen Tagen gestohlenes Auto wieder auftaucht, holt ihn die Vergangenheit rasch ein. In dem Wagen liegt eine Leiche und als wäre es nicht des Übels genug, dass der Tote ausgerecht in Thiebecks Wagen liegt, der ehemalige Hauptkommissar kennt den Mann auch noch, der grausam in Lack ertränkt wurde.

Schon bald muss Thiebeck erkennen, dass er das eigentliche Ziel des Mörders ist und ein perfides Schachspiel um Leben und Tod beginnt, in der jede Figur, die Thiebeck verliert, einen weiteren Toten bedeutet.

Was ist davon zu halten?

Eine schachspielender Serienkiller ist wahrlich nichts neues und doch ist Ben Bauhaus Thriller-Debüt „Bullet Schach“ von der ersten bis zur letzten Seite Spannung pur. Bereits als die erste Leiche gefunden wird ist klar, dass Thiebeck tiefer in der Sache drin steckt, als ihm lieb sein kann. Die Frage ist aber, was will der Täter von dem Ex-Polizisten, der bereits ein Unicum für sich ist.

Thiebeck gehört nicht zu den typischen, schwierigen Ermittlern, wie sie so oft in der weiten Thriller-Landschaft anzutreffen sind. Sicher, er ist aufbrausend und hat mehr Temperament, als gut für ihn ist, doch er ist mehr als das. Thiebeck erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive, sodass der Leser vom Fleck weg einen recht genauen Einblick in Thiebecks Innenleben erhält. Dabei ist der ehemalige Ermittler auf den ersten Seiten nicht einmal besonders sympathisch, wenn er den neuen Partner seiner einstigen Kollegin behandelt, als sei dieser quasi zum Scheißen zu blöd. Dabei kann Thiebeck durchaus nett sein und bisweilen sogar einsichtig.

Mit Thiebeck ist Ben Bauhaus in „Bullet Schach“ aber nicht die einzige runde Figur gelungen. Gleich, ob es nun Densch ist, der neue Partner von Jana, der ehemaligen Kollegin Thiebecks, der Boxtrainer oder die Polizeipsychologin, Ben Bauhaus schafft es, alle seine Figuren so echt und individuell zu gestalten, das zu keinem Moment Verwechslungsgefahr droht.

Die Story an sich ist solide und verdammt gut erzählt. Ben Bauhaus Schreibstil liest sich einfach so weg, ohne langweilig zu wirken. Die Sprache passt zu seinem Ermittler Thiebeck, wie die Faust aufs Auge – manchmal etwas rotzig und nie zu sachlich. Ben Bauhaus spart nicht mit Details, doch erschläg er seinen Leser nicht mit unnötigen und ausufernden Schilderungen.

Die Spannung, die schon mit dem ersten Mord im ersten Kapitel Einzug hält, reißt bis zum Schluss kaum ab und in der zweiten Hälfte nimmt der Thriller noch einmal mehr Fahrt auf, als Thiebeck richtig in die Ermittlungen eintaucht. Ein Rätsel, eine Möglichkeit folgt auf die andere, immer wieder deckt Thiebeck Variablen auf, die er bisher nicht bedacht hatte. Am Ende wartet natürlich der große Showdown, den eine Story wie diese verdient hat.

Fazit:

Ben Bauhaus ist mit „Bullet Schach“ ein herausragendes Debüt gelungen. Routiniert erzählt er die Geschichte seines Ermittlers Thiebeck, einer Figur, die der Autor bis ins kleinste ausgefeilt hat und der er bis zum Ende treu bleibt. Die Story ist spannend und richtig gut erzählt – Ben Bauhaus macht zu keinem Zeitpunkt den Eindruck eines Neulings, vielmehr wirkt sein Schreibstil bereits sehr geschliffen. Hier gibt es nichts zu mäkeln. Einzig ein gewisser Neuerungswert hat mir gefällt, denn wenn „Bullet Schach“ auch ein spannender und bisweilen nervenaufreibender Thriller ist, so hatte ich doch ein klein wenig den Eindruck, als wäre die Geschichte schon einmal da gewesen.

Vier_Sterne

Buchdetails:


  •  05. Juni 2015  
  • Verlag: Egmomt LYX
  • ISBN: 978-3-8025-9587-5
  • Taschenbuch: 400 Seiten

Buch kaufen? „Bullet Schach“ erschien bisher als Taschenbuch* und als eBook* für den Kindle.

Im Dezember ermittelt Thiebeck in „Killerverse*“ bereits weiter.

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* = Affiliate Link

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Carolin Blanck

Das Leben ist zu kurz, um laufend ein schlechtes Buch in die Hand zu nehmen - deshalb schreibt der Wortteufel Buch-Rezensionen. Und weil er schreibt, schreibt er auch über das Schreiben. Logisch - oder?

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